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Bieten Covered Call ETFs doch Rendite ohne Risiko?

Bieten Covered Call ETFs doch Rendite ohne Risiko?

1 % pro Monat. Durch regelmäßige Ausschüttungen. Also 12 % im Jahr. Planbare Einnahmen selbst dann, wenn die Börse gerade schwächelt. Genau das versprechen dir Covered Call ETFs.

Klingt ja erstmal nach der perfekten Lösung. Nach einem Zusatzeinkommen aus dem Depot, ohne dafür jeden Tag Kurse verfolgen oder aktiv handeln zu müssen.

Gerade für Börsenanfänger wirkt das besonders attraktiv: Denn Aktien schwanken, Tages- und Festgeld bringen kaum noch Zinsen, klassische Anleihen sind kompliziert. Ein ETF, der Monat für Monat Geld ausschüttet, scheint da ein bequemer Mittelweg zu sein.

Doch wie so oft an der Börse lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Vor allem, weil hier eine meiner wichtigsten Börsenweisheiten scheinbar außer Kraft gesetzt wird:

Rendite gibt es nur gegen Risiko

Oder etwa doch? Wurde die eierlegende Wollmilchsau gefunden?

So funktionieren Covered Call ETF

Woher stammen die monatlichen Ausschüttungen in Covered Call ETF?

Covered-Call-ETFs sind ETF, die Aktien enthalten und dazu noch weiteren Baustein. Solche ETF investieren zunächst ganz normal in einen Aktienindex, zum Beispiel in den MSCI World, den S&P 500 oder den Nasdaq 100. Zusätzlich verkauft das Fondsmanagement sogenannte Kaufrechte auf diese Aktien. Diese Kaufrechte heißen Optionen, genauer gesagt Call-Optionen.

Ganz vereinfacht bedeutet das: Der ETF erlaubt einem anderen Marktteilnehmer, die im Fonds enthaltenen Aktien zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen. Für dieses Recht zahlt der Käufer der Option eine Prämie. Diese Prämie fließt dem ETF zu. Und genau aus diesen Prämien stammen die regelmäßigen Ausschüttungen, die Anleger erhalten.

Die Ausschüttungen in Covered Call ETF stammen aus Optionsprämien.

Für den Käufer der Option ist dieses Geschäft attraktiv, weil er sich damit die Chance sichert, von stark steigenden Kursen zu profitieren, ohne die Aktien sofort kaufen zu müssen. Denn sobald die Kurse deutlich über den vereinbarten Preis steigen, kann er die Aktien günstiger erwerben. Bleiben die Kurse darunter, verfällt die Option, während der Käufer lediglich die gezahlte Prämie verliert.

Die Ausschüttung heute erkaufst du dir durch den Verzicht auf Wertsteigerung morgen.

Vorsicht! Denn die Ausschüttungen stammen nicht aus Dividenden

Der ETF funktioniert also so: Der Optionskäufer setzt auf steigende Kurse und akzeptiert dafür das Risiko, die gezahlte Prämie zu verlieren. Der ETF-Anbieter erhält diese Prämie sofort, verzichtet dafür aber auf einen Teil möglicher Kursgewinne. Genau daraus entstehen die hohen, regelmäßigen Ausschüttungen von Covered Call ETFs.

Im Kern laufen bei Covered Call ETFs zwei gegensätzliche Wetten gegeneinander

Der Optionskäufer setzt auf stark steigende Kurse. Der ETF-Anbieter hingegen verdient nur dann optimal, wenn die Kurse seitwärts laufen oder nur leicht steigen. Covered Call ETFs sind damit keine neutrale Einkommensquelle, sondern eine versteckte Marktmeinung.

„Covered“ bedeutet dabei nur, dass der ETF die Aktien tatsächlich besitzt. Es wird nichts spekulativ verkauft, sondern lediglich Kaufrechte auf bereits gehaltene Aktien vergeben. Das wirkt zunächst harmlos.

Entscheidend ist jedoch, woher die Ausschüttungen stammen. Sie kommen nicht aus Unternehmensgewinnen wie Dividenden und auch nicht aus Zinsen wie bei Anleihen. Sie entstehen dadurch, dass der ETF künftige Kurschancen im Voraus verkauft.

Steigen die Kurse stark, muss der ETF die Aktien zu einem festgelegten Preis abgeben und nimmt an weiteren Wertsteigerungen nicht mehr teil.

Covered Call ETFs liefern damit vor allem eines: einen gleichmäßigen Zahlungsstrom. Sie liefern aber keine Garantie für langfristigen Vermögensaufbau. Und genau hier beginnt das Problem, vor allem für Buy-and-Hold-Anleger und Sparpläne.

Covered Call ETF

Eignen sich Covered Call ETF für…

… den langfristigen Vermögensaufbau?

Für Buy-and-Hold-Anleger sind Covered Call ETFs problematisch. Buy-and-Hold lebt davon, langfristig von starken Börsenphasen zu profitieren und Kursgewinne über viele Jahre wirken zu lassen. Covered Call ETFs geben genau diese Gewinnphasen systematisch ab. Je besser sich der Aktienmarkt entwickelt, desto stärker fällt die Strategie gegenüber einem normalen Aktien-ETF zurück.

… Sparpläne?

Noch weniger geeignet sind Covered Call ETFs für Sparpläne. In der Ansparphase ist ein regelmäßiger Zahlungsstrom nicht notwendig, sondern sogar hinderlich. Ausschüttungen müssen reinvestiert werden, verursachen laufend Steuern und mindern den Zinseszinseffekt. Wer regelmäßig spart, profitiert von langfristigem Marktwachstum, nicht von vorgezogenen Ausschüttungen.

… die meisten Privatanleger?

Für wen kann so ein Produkt grundsätzlich geeignet sein? Theoretisch für Anleger, die bereits über ein großes Vermögen verfügen, bewusst auf langfristiges Wachstum verzichten wollen und einen laufenden Zahlungsstrom priorisieren. Für die meisten Privatanleger trifft das jedoch nicht zu.

Daran erkennst du Covered Call ETF

Covered Call ETFs erkennt man meist schon am Namen. Häufig tauchen Begriffe wie „Covered Call“ oder „Premium Income“ o.ä. auf. Auffällig ist außerdem eine sehr hohe Ausschüttungsrendite, oft im Bereich von 8 bis 12 Prozent pro Jahr, die nicht selten monatlich ausgezahlt wird. Wenn du ins Factsheet schaust, findest du dort Hinweise auf eine Optionsstrategie oder den Verkauf von Call-Optionen als zentrale Ertragsquelle.

Ein konkretes Beispiel ist der Global X NASDAQ 100 Covered Call UCITS ETF, der regelmäßig mit monatlichen Ausschüttungen beworben wird. Wichtiger als der Produktname ist jedoch das Prinzip dahinter: Immer dann, wenn ein ETF seine Ausschüttungen zu einem großen Teil aus Optionsprämien erzielt und gleichzeitig Aktien hält, handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen Covered Call ETF.

Ausschüttung ist nicht gleich Ausschüttung

Sind Covered Call ETF als Alternative zu Anleihen geeignet?

Anleihe-ETFDividenden-ETFCovered Call ETF
EnthältAnleihen von Unternehmen oder StaatenAktien von Unternehmen mit hoher DividendenrenditeAktien plus Optionsstrategien
Regelmäßige Erträge stammen aus…Zinszahlungen der AnleiheemittentenDividenden aus UnternehmensgewinnenOptionsprämien (und ggfs. Dividenden)
Art der Erträgevertraglich vereinbart, mit Laufzeitbegrenzungvariabel, abhängig von Unternehmensgewinnenvariabel, abhängig von Volatilität und Optionsmarkt
Ziel des Produktsplanbarer Zahlungsstrom, Vermögenserhaltlaufende Erträge und Kursgewinnelaufender Cashflow durch Verzicht auf Kursgewinne
Geeignet für Buy-and-Hold?eingeschränktgut geeignetungeeignet
Geeignet für Sparpläne?ungeeignetgut geeignetungeeignet
Geeignet für welchen Anlegertyp?Anleger mit Fokus auf Stabilität und planbare ErträgeAnleger, die Einkommen und Wachstum kombinieren wollenerfahrene Anleger mit Einkommensfokus und klarer Marktmeinung

Wie verhalten sich Covered Call ETFs in verschiedenen Marktphasen?

Um zu verstehen, wie sich Covered-Call-ETFs verhalten, schauen wir uns verschiedene Marktphasen an.

In fallenden Märkten

In fallenden Märkten wirken Covered Call ETFs zunächst stabiler, als sie tatsächlich sind. Zwar fließen weiterhin Optionsprämien, doch sie können Kursverluste der enthaltenen Aktien nur teilweise abfedern. Fällt der Markt deutlich, sinkt auch der Wert des ETFs spürbar. Die regelmäßige Ausschüttung ändert daran wenig. Im Gegenteil: Nach Kursverlusten beziehen sich künftige Optionsprämien auf ein niedrigeres Kursniveau und fallen in der Regel geringer aus.

In Seitwärtsphasen

In seitwärts laufenden Märkten spielen Covered Call ETFs ihre Stärke aus. Bleiben die Kurse über längere Zeit in einer engen Spanne, verfallen viele Optionen wertlos. Der ETF behält die vereinnahmten Prämien und muss keine Aktien abgeben. Genau in solchen Phasen können hohe Ausschüttungen ohne größeren Substanzverlust entstehen. Das Problem ist nur: Solche Marktphasen lassen sich weder zuverlässig erkennen noch vorher planen.

In stark steigenden Marktphasen

In stark steigenden Märkten zeigen sich die größten Nachteile. Steigen die Aktien deutlich über die vereinbarten Preise, werden die verkauften Kaufoptionen ausgeübt. Der ETF muss die Aktien also abgeben und nimmt an weiteren Kursgewinnen nicht mehr teil. Je stärker und dynamischer der Markt steigt, desto größer ist der Rückstand gegenüber einem normalen Aktien-ETF. Ausgerechnet die besten Börsenphasen werden damit systematisch verpasst.

Fazit: Bieten also Covered Call ETFs Rendite ohne Risiko? Nein.

Es klingt doch so schön verlockend. Hohe monatliche Ausschüttungen vermitteln den Eindruck von Sicherheit, Planbarkeit und passivem Einkommen. Doch dieser Eindruck trügt.

Du hast erfahren, dass die monatlichen Zahlungen nicht aus zusätzlicher Rendite entstehen, sondern aus einem bewussten Tausch von künftigen Wertsteigerungen gegen heutige Ausschüttungen.

Covered Call ETFs funktionieren nur in einem sehr engen Marktumfeld gut: bei seitwärts laufenden oder leicht steigenden Kursen. In fallenden Märkten schützen sie nicht vor Verlusten, in stark steigenden Märkten bremsen sie die Wertentwicklung aus. Damit sind sie keine neutrale Einkommensquelle, sondern eine versteckte Marktmeinung.

Für langfristigen Vermögensaufbau sind sie deshalb ungeeignet. Buy-and-Hold lebt davon, an starken Börsenphasen voll teilzunehmen. Sparpläne leben vom Zinseszinseffekt und davon, Zeit im Markt zu haben.

Das bedeutet nicht, dass Covered Call ETFs immer ungeeignet sind. Sie sind ein spezielles Instrument für erfahrene Anleger, die eine Seitwärtsphase vorhersehen.

Mein Fazit ist klar:

Covered Call ETFs sind kein Renditewunder und keine Lösung für risikofreies Einkommen. Wer langfristig Vermögen aufbauen will, insbesondere mit Buy-and-Hold oder Sparplänen, sollte die Finger davon lassen.

Rendite gibt es nur gegen Risiko.

Auch hier.

FAQ

Woher stammen die monatlichen Ausschüttungen bei Covered Call ETF?

Die Ausschüttungen stammen überwiegend aus Optionsprämien. Der ETF verkauft anderen Marktteilnehmern das Recht, die enthaltenen Aktien zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Die dafür erhaltene Prämie wird ausgeschüttet. Es handelt sich dabei nicht um Dividenden oder Zinsen.

Bieten Covered Call ETF Rendite ohne Risiko?

Nein. Covered Call ETFs reduzieren das Risiko nicht, sondern verändern es. Kursverluste der Aktien bleiben bestehen, während Kursgewinne begrenzt werden. Die regelmäßige Ausschüttung ist der Preis für den Verzicht auf Wertsteigerung in der Zukunft.

Eignen sich Covered Call ETF für langfristiges Investieren?

Nein. Covered Call ETFs sind für Buy-and-Hold-Anleger ungeeignet. Buy-and-Hold lebt davon, langfristig an starken Börsenphasen voll teilzunehmen. Covered Call ETFs geben diese Gewinnphasen systematisch ab und bleiben in stark steigenden Märkten deutlich hinter klassischen Aktien-ETFs zurück.

Eignen sich Covered Call ETF für Sparpläne?

Nein. Für Sparpläne sind Covered Call ETFs ungeeignet. In der Ansparphase sind regelmäßige Ausschüttungen nicht notwendig, sondern sogar nachteilig. Sie müssen reinvestiert werden, verursachen laufend Steuern und mindern den Zinseszinseffekt.

Was ist ein Covered Call ETF einfach erklärt?

Das ist ein Aktien-ETF, der zusätzlich Kaufoptionen (Call-Optionen) auf die enthaltenen Aktien verkauft. Dadurch erzielt er Optionsprämien, die regelmäßig an Anleger ausgeschüttet werden. Diese Ausschüttungen entstehen nicht aus zusätzlicher Rendite, sondern durch den Verzicht auf einen Teil künftiger Kursgewinne.

Hallo, hier schreibt Karina!

Hi, ich bin Karina – Ingenieurin, Hundemama, Börsenhändlerin und seit 2012 leidenschaftliche Investorin. Ich kenne die Achterbahnfahrten an der Börse sehr gut. Hier zeige ich dir, wie du trotzdem mit Spaß und System dein Vermögen aufbaust und dabei Selbstbewusstsein gewinnst. Bei mir gibt’s Finanzwissen ohne Fachchinesisch, dafür mit einer großen Portion Pinkpower. Meine Mission: Frauen verbinden, die Spaß am Investieren haben!

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