Ein Praxisbeispiel für die ETF-Auswahl

Fast zehntausend ETF sind in Deutschland zugelassen. Wie sollst Du daraus den für Dich passenden finden? Da hilft nur ein Praxisbeispiel für die ETF-Auswahl.

Uff. Fast 10.000 ETF sind in Deutschland zugelassen, Tendenz steigend. Zwar gibt es tolle Datenbanken, in denen Du einen ETF passend zu Deinen Wünschen finden kannst, aber zuerst musst Du Deine Wünsche kennen. Nicht nur gibt es ETF zu fast jedem erdenklichen Thema, sondern auch innerhalb jedes Themas ist das Angebot meist groß. Wie sollst Du daraus den für Dich passenden ETF finden? Bevor Du aufgrund dieser Vielzahl den Kopf in den Sand steckst und den Wald vor lauter Bäumen nicht siehst, schaue ich in diesem Beitrag in einem Praxisbeispiel für die ETF-Auswahl auf die Kriterien.

Im Praxisbeispiel für die ETF-Auswahl suche ich einen Europa-ETF

Vermeide gleichlaufende Kurse zwischen Deinen Wertpapieren

Mit jedem ETF, den Du neu in Dein Portfolio aufnimmst, willst Du das Risiko der bereits vorhandenen Wertpapiere abmildern. Deshalb suchst Du zuerst nach einem Thema, das eine geringe Korrelation mit den Regionen und Industriesektoren der ETF in Deinem bestehenden Depot hat.

Wenn Du dem Standardratschlag gefolgt bist, dann enthält Dein Basis-Portfolio vielleicht bereits je einen ETF auf den MSCI World und einen auf den MSCI Emerging Markets Aktienindex. Um breit aufgestellt zu sein, entscheidest Du Dich einen weiteren ETF mit starkem Gewicht auf europäische Aktiengesellschaften aufzunehmen. Ich werde für diesen Beitrag dieses Praxisbeispiel verwenden.

Europa ergänzt den MSCI World und MSCI Emerging Markets gut

Im MSCI World Aktienindex sind europäische Firmen nur zu maximal 10 Prozent enthalten. Im MSCI EM Aktienindex ist Europa überhaupt nicht vertreten, weil kein Land in Europa als Schwellenland zählt. Aus dem Factsheet der beiden erfährst Du weiterhin, dass im MSCI World und MSCI EM Finanzen und IT die beiden größten Industriesektoren sind. Europäische Firmen sind selten stark auf diesen beiden Gebieten, sodass sich mit einem Europa-ETF ein gutes Gegengewicht bietet.

Kriterien für die ETF Auswahl, die für jeden ETF gelten

Die Vielzahl der angebotenen ETF wird Dich umhauen

Mit diesen Gedanken startest Du die Suche in einer ETF-Datenbank. Der Filter wird auf Europa gesetzt oder die Suchmaske mit dem Stichwort Europa bedient, und schon eröffnet sich Dir das große Angebot von Hunderten ETF. Damit Du Dich nicht von der Vielzahl der angebotenen ETF erschlagen fühlst, sind weitere Filter und Ausschlusskriterien nötig.

Reduziere die Kosten. Das gilt immer.

Das eine Kriterium, das immer gilt, sind niedrige Kosten. Denn schließlich willst allein Du von der Rendite Deiner Geldanlage profitieren, und möglichst niemand sonst. Daher starte bei der Sortierung nach der Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio = TER). Du wirst ETF ab unschlagbaren 0,05 % jährliche Kosten finden, bis hin zu 0,7 % für spezialisierte ETF. Je niedriger, desto besser, aber dies soll nicht Dein einziges Auswahlkriterium sein.

Bei der Wahl der Ausschüttungsart gibt es kein Richtig oder Falsch

Die Entscheidung, ob Du einen thesaurierenden oder ausschüttenden ETF suchst, liegt ganz bei Dir. Es gibt kein richtig oder falsch, einzig eine mögliche Steueroptimierung könnte möglich sein. In jedem Fall halbiert diese Entscheidung die Anzahl Deiner Ergebnisse, denn es gibt ungefähr genau so viele thesaurierende wie ausschüttende ETF.

Physisch replizierende ETF reduzieren das Risiko

Im nächsten Schritt empfehle ich die Filterung allein auf die physisch replizierenden ETF. In diesem Fall kauft der ETF-Emittent die im Index enthaltenen Aktien auch tatsächlich, anstatt Tauschgeschäfte mit anderen Banken einzugehen, die Dir im Krisenfall ein zusätzliches Risiko bescheren können. Obwohl das Risiko gering sein mag, schadet es sicher nicht, es auszuschließen.

Wechselkursrisiken vermeiden? Dann wähle Deinen ETF in Euro

Auch ein Risiko aus Wechselkursen zwischen Währungen magst Du vielleicht ausschließen. Obwohl sich aus den Wechselkursen auch Chancen ergeben können, kannst Du Kursabweichungen durch Auswahl der Fondswährung in Euro vermeiden.

Das Fondsvolumen misst implizit das Vertrauen in den ETF

Du kannst die Auswahl weiter einschränken, indem Du die Fondsgröße, manchmal auch Fondsvolumen genannt, nach den höheren Werten filterst. Dieses Kriterium misst das Geld, das Investoren diesem ETF bereitgestellt haben und damit implizit das Vertrauen, das Investoren in den ETF setzen.

Nutze nachhaltige Filterkriterien, aber vertraue ihnen nicht blind

Wenn Dir Nachhaltigkeit bei Deiner Geldanlage wichtig ist, dann kannst Du den Filter auf nachhaltige ETFs setzen. Das sind solche, die schwarze Schafe in Bezug auf Umwelt- und Sozialstandards sowie gute Unternehmensführung (die ESG-Kriterien) ausschließen. Das Kriterium SRI (Socially Responsible Investing) ist dabei deutlich strenger als das ESG-Kriterium, an dessen Wirksamkeit ich nicht recht glaube.

Diese Kriterien musst Du bei der ETF-Auswahl nicht beachten

Der Anbieter spielt keine Rolle

Übrigens musst Du keine Auswahl des Emittenten treffen. Denn in Deutschland sind die Anbieter streng reguliert und außerdem zählt Dein eingezahltes Kapital als Sondervermögen des Emittenten. Die Insolvenz eines ETF-Anbieters ist sehr unwahrscheinlich und falls doch, zählt Dein Kapital nicht zur Insolvenzmasse. Höchstens wenn Du eine persönliche Vorliebe oder Abneigung gegen einen Anbieter hast, solltest Du nach dem Emittenten filtern. Sonst ignoriere den Namen des Anbieters einfach.

Die frühere Wertentwicklung sagt nichts über die zukünftige Entwicklung

Ebenso wenig zählt die Wertentwicklung des ETF in der Vergangenheit zu einem Auswahlkriterium. Denn nichts lässt Dich auf die Wertentwicklung in der Zukunft schließen. Der nächste Bullenmarkt oder die nächste Krise kommt immer unangekündigt.

Die Kriterien für die Wahl der Anlagestrategie

Jetzt folgt die inhaltliche ETF-Auswahl

Praxisbeispiel für die ETF-Auswahl

Und schon nach Anwendung der allgemeingültigen Kriterien ist die Ergebnisliste sehr viel kürzer geworden. Nun geht es an die inhaltliche Auswahl des gewünschten ETF auf einen europäischen Aktienindex mit Fokus nicht auf IT und Finanzwesen. Um genau zu verstehen, welche Strategie jeder ETF verfolgt, musst Du jetzt in die Factsheets schauen.

Das ETF-Factsheet verrät Dir alles

Jedes Factsheet beschreibt das Anlageziel des ETF. Dort steht manchmal recht ausführlich die Anlagestrategie des ETF, manchmal auch nur der Verweis auf den zugrundeliegenden Aktienindex. In jedem Fall gibt Dir die Aufschlüsselung nach Ländern, nach Industriesektoren und die Liste der 10 größten Positionen einen umfassenden Eindruck.

Jedes ETF-Thema gibt es im Praxisbeispiel

In der gefilterten Liste unserer Europa-ETF findet sich unter anderem einer auf die größten Firmen in Großbritannien (schlecht, da zu stark auf ein Land spezialisiert), einer auf europäische Banken (schlecht, da zu stark auf einen Industriezweig fokussiert, außerdem offensichtlich nur im Finanzsektor tätig)… europäische Nahrungsmittelindustrie, europäische Hochdividendenzahler, kleine europäische Aktiengesellschaften… aber ich schweife ab.

Vielleicht gibt es keinen hundertprozentig passenden ETF

Du wirst feststellen, dass Du keinen ETF findest, der breit in viele europäische Firmen investiert (zum Beispiel auf den Aktienindex MSCI Europe oder STOXX Europe 600), ohne auch Aktiengesellschaften im Finanzwesen zu enthalten. Diesen Abstrich musst Du hinnehmen.

Zusätzliche Gebühren für einen ETF sind inakzeptabel

Sobald Du Dich der Auswahl eines ETF näherst, versichere Dich im Factsheet, dass kein Ausgabeaufschlag und keine Zeichnungs- oder Rücknahmegebühr verlangt wird. Dies ist aus der gefilterten Liste in der ETF-Datenbank nicht ersichtlich.

Erst die Auswahl, dann das Vergnügen

ETF-Shopping mit der Wertpapierkennnummer

Wenn Dein ausgewählter ETF auch diese letzte Hürde gemeistert hat, dann kopiere Dir die Wertpapierkennnummer (WKN oder ISIN) und füge sie in das Orderformular bei Deinem Broker ein, um Deinen Sparplan zu starten oder einmalig zu investieren. Anhand der Wertpapierkennnummer identifizierst Du Deinen gewählten ETF eindeutig, ohne Dich mit dem langen Namen zu verhaspeln oder mit unverständlichen Abkürzungen zu kämpfen.

Das Praxisbeispiel für die ETF-Auswahl ist geschafft. Jetzt das Vergnügen!

Und dann freu Dich, denn Dein investiertes Kapital wird jetzt für Dich arbeiten, wobei Du das Risiko eines Investitionsklumpens weiter reduziert hast.


So weit, so theoretisch. Dieses Praxisbeispiel für die ETF-Auswahl klingt ganz einfach und logisch, aber trotzdem suchst Du konkrete Anleitung und die Möglichkeit, Fragen zu stellen? Dann nimm an meiner Masterclass Geldanlage teil!


Wie immer gilt: ich gebe keine Anlageempfehlung. Die Anlageidee ‘europäischer Aktien-ETF’ dient nur als Beispiel zur Veranschaulichung im Praxisbeispiel für die ETF-Auswahl.

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