Die Inflation treibt den Bärenmarkt – eine Erklärung

Die Inflation treibt den Bärenmarkt an. Was sind die Gründe? Und warum erhöhen die Zentralbanken den Leitzins?

Die Inflation treibt den Bärenmarkt an und einige Notenbanken reagieren mit Erhöhung der Leitzinsen. Die Ereignisse der letzten Woche sind so spannend, dass dieser Beitrag ein aktuelles Thema behandelt. Ich schreibe über die große Party, zu der das Inflationstierchen eingeladen hat, auf der jetzt der Börsenbär ausgelassen tanzt und auf der uns Aktionären überhaupt nicht zum Feiern zumute ist.

Lass uns einen Blick auf den aktuellen Bärenmarkt an den Aktienmärkten werfen, Gründe für die fallenden Kurse untersuchen und einen Ausblick wagen.

Das Inflationstierchen und der Bär tanzen auf einer Party

Der Bär ist das Börsenmaskottchen, das sinkende, fallende Kurse repräsentiert. Sein Gegenspieler für steigende Kurse und positive Laune an den Märkten ist der Bulle. Man spricht von einem Bärenmarkt, wenn die Kurse fallen und 20% von ihrem Allzeithoch abgegeben haben. Dann nämlich ist die Wachstumsgeschichte, die die Kurse vorher angetrieben hatte, beendet. Genau das ist in den letzten Monaten passiert und verstärkte sich in der vergangenen Woche. Was war passiert und was eigentlich hat das Inflationstierchen auf der Bären-Party zu suchen?

Alles begann im Frühjahr 2020, als sich ein neuer Virus auf Weltreise begab. Alle großen Industrienationen verhängten Lockdowns, das Leben und die Industrie standen still. Die Staaten versuchten, die wirtschaftlichen Auswirkungen mit finanziellen Unterstützungen abzumildern. Dies konnten die Staatshaushalte aber nicht aus den Einnahmen finanzieren, daher wurde Geld „gedruckt“. Die Zentralbanken in den USA und Europa erhöhten die Geldmenge.

Ich habe in der Schule gelernt, und einige Ökonomen vertreten das Modell bis heute, dass ein Ausweiten der Geldmenge zu Inflation führt. Denn mehr Geld in Umlauf trifft auf ein konstantes Warenangebot. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie bis zum Herbst letzten Jahres gab es aber praktisch keine Inflation auf Verbraucherpreise, weshalb man dieses ökonomische Modell für überholt hielt.

Die Inflation ist aus der Tube

Seit dem Jahresanfang 2022 aber frisst uns das Inflationstierchen die Taschen leer. Energie und Nahrungsmittel haben sich fast schlagartig verteuert und die Teuerung hält an. Jetzt trifft die große Geldmenge auf ein sinkendes Angebot, denn der Krieg in der Ukraine und die Lockdowns dieses Frühjahres in China verknappen Öl, Gas und Güter.

Leider verhält es sich mit der Inflation aber wie mit Zahnpasta: Ist sie erst aus der Tube, bekommt man sie nur schwer wieder hinein. Diesen Satz prägte der frühere Bundesbankpräsident Karl-Otto Pöhl bereits im Jahr 1980. Wie kann die Inflation zurück in ihre Tube gequetscht werden?

Wie quetschen Leitzinsen die Inflation zurück in die Tube?

Wenn die gestiegene Geldmenge ein Treiber für die Inflation ist, muss folglich die Geldmenge reduziert werden. Die Menschen sollten das in Umlauf befindliche Geld möglichst nicht ausgeben, sondern sparen. Zu diesem Zweck erhöhen die Zentralbanken die Leitzinsen, sodass auch unsere Geschäftsbanken die Zinsen auf Giro- und Festgeldkonten erhöhen können. Sparen wird scheinbar attraktiver.

Höhere Zinsen auf risikoarme Anlagen ziehen jetzt aber Geld aus dem Aktienmarkt. Denn warum sollte ich als Aktionär ein unternehmerisches Risiko eingehen, wenn ich auch für weniger Risiko Zinsen bekomme? Besonders betroffen sind Technologieunternehmen, denn diese finanzieren heute mit Fremdkapital Wachstum, für das erst in Zukunft Gewinne erhofft werden. Außerdem wird das Marktumfeld für die Unternehmen schwieriger: zu den Lieferkettenproblemen und höheren Einkaufspreisen kommt sinkende Nachfrage durch die Verbraucher. Die Umsatzerwartungen sinken.

Wann wird der Bulle die Party übernehmen?

Das schwierige Marktumfeld führt uns in unsichere Börsenzeiten. Die Inflation treibt den Bärenmarkt sicher auch weiterhin. Die nächsten Wochen und Monate werden unangenehm sein. Erwartet uns eine Phase mit rückgängigen Wirtschaftstätigkeiten? Bleibt die Inflation so hoch? Und wer weiß was unser weltwanderndes Virus im Herbst für uns bereithalten wird? Bisher ist jedenfalls noch keine neue Wachstumsgeschichte absehbar.


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